Simsen, googeln … wikipeden?

 

Neue Technik bringt neue Wörter.

SMS, Browser, iPod … gehören längst zur Alltagssprache. Aber was ist mit den dazugehörigen Verben?
Statt „eine SMS-Sprachnachricht versenden” hat sich schon in den 1990er Jahren das nette Kurzwort „simsen” eingebürgert – 2001 erreichte es sogar Platz neun bei der Wahl zum Wort des Jahres.

Sende ein „i” an 0815 …

Woher aber kommt das „i” bei „simsen”? Das ist wohl ein Sprossvokal – ein zusätzlicher Vokal, der die Aussprache erleichtern soll. Wie in einigen Dialekten (Doref statt Dorf, Milich statt Milch etc.), in der Kindersprache (Büst statt Pst) oder beim Zweitspracherwerb – und hier vor allem bei Menschen, deren Muttersprache die Häufung mehrere Konsonanten nacheinander nicht kennt. Da hört man dann auch mal Schanapes statt Schnaps

Marktführer dank Verbfähigkeit?

Dass sich unter allen Suchmaschinen ausgerechnet „Google” durchsetzen konnte, hat sicher viele Ursachen. Firmenstrategie, Zufall, Chaostheorie – aber sicher hat auch der Name dazu beigetragen, aus dem sich ganz prima ein Verb ableiten lässt: Man sagt und schreibt googeln, und das ist beim Eindeutschen erlaubt, siehe recyceln, wo „e” und „l” ja ebenfalls den Platz getauscht haben.

Es bleibt viel zu tun!

Aber mit „simsen” und „googeln” ist erst der Anfang getan. Wo bleiben die neuen Verben für „bei Wikipedia nachschauen” (wikipeden), „eine DVD anschauen” (devaudehen), „den Drucker aus dem Fenster werfen, weil er noch immer nicht funktioniert, sondern nur blinkt, statt zu drucken” (durchdrehen)?

Ich freue mich auf weitere Vorschläge! Auch gerne für den Sachverhalt „bei AbidiBlog ein neues Wort vorschlagen und es damit irgendwann sogar in den Duden schaffen” …

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16 Kommentare

  1. be|es|ha sagt:

    Der Verb-Neuzugang »downloaden« hats ja auch schon in den Duden geschafft, samt Konjugation: »Ich downloade, ich habe downgeloadet« … Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt zu sagen: »Ich habe gedownloadet«, geschweige denn »heruntergeladen« ;-)

    PS: Ich entdecke auch gerade den nachfolgenden Duden-Eintrag: »downshiften, wir downshiften, wir haben downgeshiftet (bewusst auf beruflichen Aufstig, Konsum und Luxus o. Ä. verzichten)«. Das kannte ich noch gar nicht. Entdecke die Möglichkeiten!

    • admin sagt:

      Downloaden wird spätestens im Imperativ problematisch (downloade!). Warum eigentlich keine Mischformen? “Ich lud down” klingt doch hochgebildet :-) Sicher könnte ich noch mehr Kluges darüber sagen, wenn ich öfter mal was downlüde …

      • be|es|ha sagt:

        Also ich muss sagen, deine Mischformen gefallen mir viel, viel besser! Und du hast vollkommen recht, sie klingen auch wesentlich eleganter als »dauuunlouuuudn« (mit hängendem Unterkiefer). Ich werde sie umgehend in meinen aktiven Sprachgebrauch überführen ;-)

  2. Wenn es “wikipeden” gibt, sollte es m. E. auch “abidibloggen2 oder in meinem Fall “ebensolchen” geben! Wikipeden klingt jedenfalls viel schlechter als meine Vorschläge! ;)

    • admin sagt:

      Wunderbar! Und was für Dialoge da möglich werden:

      - Was machst du gerade, Sigrid?
      - Ich ebensolche. War höchste Zeit, mal wieder zu ebensolchen, zuletzt ebensolchte ich letzte Woche …

  3. Eva Engelken sagt:

    also ich würde “postern” dazu schreiben, seit ich heute früh einen Posterous-Blog eingerichtet habe

  4. Nina sagt:

    Liebe Heike,

    hab lange nicht kommentiert, weil der google-reader einfach keine Kommentarfunktion hat. Was macht man da eigentlich? Googlereaden? Googlereadern? Feeden?

    Egal. Dein Artikel: wie immer genial!

    Ich sag übrigens manchmal: Ich wiki das mal ;). Aber das ist irgendwie schief und krumm und in den seltensten Fällen versteht man mich.

    • admin sagt:

      Das mit dem Feeden und Googlereaden kenne ich nur theoretisch, bin halt ein bisschen älter und nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Sollte mich da mal updaten :-)
      “Ich wiki das mal” würde ich allerdings durchaus verstehen! Zu mir kannste sowas also durchaus sagen, liebe Nina!

      • be|es|ha sagt:

        Zum updaten fällt mir (trotz Aschermittwoch) gerade noch diese rheinische Dialektvariante ein: »Wat wör dat schön, wenn de ens updäten dätst« (Tätäää!)

        • admin sagt:

          Also Konjunktiv mit “däääten”, nicht: updätetest? In der Pfalz hieße das: “uffdäide deedsch” :-) Ich kenne aber auch Dialekt-Konjunktivvarianten mit “gääng” …

    • rebhuhn sagt:

      ich ‘wiki’ auch durch die gegend… gestern hab ich allerdings nur kurz gewikit ;).

      und im reader feedreade ich – naja. eigentlich lese ich da ‘das internet’ ;)!!

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