Der-Die-Das-Bücher allenthalben: wieso, weshalb, warum?

Klar, Zweiwortbuchtitel gab es schon immer. Die beliebte Artikel+Substantiv-Variante kommt immer wieder gut an:

Der Prozess, Die Räuber, Das Nibelungenlied
Der Steppenwolf, Die Blechtrommel, Das Geisterhaus
Der Fremde, Die Physiker, Das Parfum

Kurz und knapp wird wohl nie altmodisch.
Aber wo sind die schönen, fantasievollen Titel geblieben? Warum findet man sie nur noch im Sachbuchbereich? „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben” oder „Wer bin ich und wenn ja wie viele” … Das ist reinste Poesie – im Vergleich mit den immer beliebter werdenden, auf Zweiworttitel eingedampften Wortneuschöpfungen:

Der Pferdeflüsterer, Die Muschelsucher, Das Luftkind
Der Orchideenpalast, Die Wanderhure, Das Kartengeheimnis
Der Gottesschrein, Die Vogelmacherin, Das Hexenbrett

Wie würde „Schnee, der auf die Zedern fällt” wohl heute heißen? Etwa „Die Nadelbaumflocke”? Könnte man „Ansichten eines Clowns” als „Der Philosophenharlekin” besser verkaufen? Und was würde aus „Die Entdeckung der Langsamkeit” als Neuerscheinung im 21. Jahrhundert – vielleicht „Das Trödelmonster”?

Hier meine Liste der zehn poetischsten Buchtitel:
♦ Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
♦ Im Westen nichts Neues
♦ Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
♦ Mein Name sei Gantenbein
♦ Wem die Stunde schlägt
♦ Jenseits von Eden
♦ So weit die Füße tragen
♦ Hundert Jahre Einsamkeit
♦ Chronik eines angekündigten Todes
♦ Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Die abstruseste Umtextung in einen Zweiworttitel wird mit dem Silbernen Eselsohr belohnt ;-)

16 Kommentare

  1. Der Ikarusfaktor
    Das Sichtum
    Die Erinnerung
    Der Namenswechsel
    Die Guerilla
    Das Familiendrama
    Der Marathon
    Der Eremit
    Die Gewissheit
    Das Revolverblatt

    Hm, waren doch ein paar Bücher dabei, die ich noch nicht gelesen habe *notier*

    • admin sagt:

      Oh, sehr schön! Das wird wirklich schwer zu toppen sein. Vor allem “Ikarusfaktor” klingt hochmodern und so richtig nach Bestseller :-)

    • admin sagt:

      And the Silberne Eselsohr goes toooooooo … Broken Spirits! Applaaaaus!!!
      So, jetzt erwarte ich aber eine tränenreiche Dankesrede :-)

  2. Andrea sagt:

    Ich hab jetzt mal spontan einen Blick in mein Bücherregal (ähm, die Regale) geworfen und mir sind da nur zwei der-die-das-Bücher aufgefallen: Die Prozedur und Der Schrecksenmeister. Ich würde also ganz ich-zentriert sagen, dass das nicht überhand nimmt, ach nee… In der Spiegel-Bestsellerliste ist auch nur ein der-die-das-Titel, und der gilt nicht, weil er von John Grisham ist, der das ja schon seit Jaharen so macht…

    Zum Umtexten bin ich jetzt zu müde, und Broken Spirits dürfte da wohl auch schwer zu toppen sein… Die Kurztitel sind nicht schlecht, aber die langen viel, viel besser!

    Fantasievolle Titel, die mir so einfallen: Die Eleganz des Igels, Für immer vielleicht, Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe, Der Teufel trägt Prada, Die Fliege und die Ewigkeit, Die Stadt der träumenden Bücher, Momente der Geborgenheit…

    • admin sagt:

      Da bin ich aber erleichtert! Wahrscheinlich ist es auch nur ein Trend unter vielen … Du hast recht, “Die Stadt der träumenden Bücher” gehört unbedingt in die Liste der schönsten Mehr-als-zwei-Wort-Titel!

  3. Nina sagt:

    Treffend beobachtet, wie immer! Ich habe neulich ein wirklich fantastisches Buch gelesen: Die einsamen Schrecken der Liebe. Und das kennt keiner, denn der Tital ist anscheinend echt unzeitgemäß. Vielleicht hätten sie es lieber mit einem Zwei-Wörter-Titel versehen, dann wäre es vielleicht auch hierzulande ein Beststeller geworden. Im Original heißt es übrigens The People’s Act of Love. … Aber ein Buch mit dem Titel “Die Liebestat” hätte ich bestimmt auch nicht gekauft.

    • admin sagt:

      “Die einsamen Schrecken der Liebe” klingt allerdings etwas abschreckend. Und das ist wirklich gut? Hab eben mal bei Amazon reingeschaut und Folgendes erfahren: “Schamanismus, Aufopferung, Liebe, Gottesfürchtigkeit. Und an jeder Ecke lauert der Wahnsinn, wie die (historisch verbürgte) Sekte der Skopzen beweist, allesamt Kastraten, die sich freiwillig entmannen ließen, um einem höheren Reinheitsgebot Folge zu leisten.”
      Wow, daraus ließe sich doch ein klasse Der-Die-Das-Zweiworttitel basteln: “Der Tundrawahnsinn” oder “Die Kastratenbruderschaft” oder “Das Mannesopfer” …

      • Nina sagt:

        Ja, je mehr man darüber liest, desto schlimmer kommt es daher. Aber ehrlich: es ist meine Buchentdeckung des Jahres! Und das mit den Kastraten sollte man eigentlich nicht vorher wissen, das kommt erst irgendwann heraus. Aber es lohnt sich selbst nach diesem Spoiler Alert noch.

  4. im Westen nichts neues und die verlorene Ehre der Katharina Blum…wie oft schon gelesen…wie oft schon darüber nachgedacht. Zwei wundervolle ausnahme Werke.
    Die verlorene Ehre der K. Blum versprüht so viel Wahrheit in unserer heutigen von den Medien beherrschten Zeit, dass es fast schon unglaublich ist, dass dieses Werk schon wieder so alt ist.

  5. Nina sagt:

    ♦ Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
    Die Fotografin
    ♦ Im Westen nichts Neues
    Der Soldat
    ♦ Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
    Die Erinnerung
    ♦ Mein Name sei Gantenbein
    Der Verlassene
    ♦ Wem die Stunde schlägt
    Der Kämpfer
    ♦ So weit die Füße tragen
    Die Flucht

    • admin sagt:

      Da war ich wohl voreilig mit der Vergabe des Silbernen Eselsohrs? Aber ich bin sicher, Broken Spirits teilt mit dir, Nina!
      Mir fällt übrigens auf, dass Der- und Die-Titel naheliegender zu sein scheinen als Das-Titel. Oder ist das auch wieder nur so eine optische Täuschung?

      • Petra sagt:

        Ich lese grade “Das andere Kind”. Und habe im Regal “Das Kind” sowie “Das einzige Kind” stehen. Titel, ich sag’s Euch ..

        Aber mein absoluter Lieblingstitel ist natürlich “Schweig still, mein Kind”. Umdichtung in einen Zweiwort-Titel, original Vorschlag des Verlags: “Die Rabenschlucht”. Puuuh. Aber es ist noch einmal gut gegangen: Der Zweiwort-Titel musste stillschweigen. Und das Kind wird’s nun auch tun, im Buch. Oder so.

        • admin sagt:

          TAUSENDMAL besser als die Zweiwortvariante! “Schweig still, mein Kind” klingt richtig klasse …

          Ich lese gerade den neuen Mankell. Da wird gerne die Dreiwortvariante bemüht: Artikel + Adjektiv + Substantiv. Wie bereits in „Die weiße Löwin“ und „Die fünfte Frau“, „Die falsche Fährte“, „Die italienischen Schuhe“ …

          • Petra sagt:

            Und wie isser, der neue Mankell? Lohnt sich’s?
            Ich hätte da übrigens noch einen tollen Titel, passend dazu: “Die anonymen Briefe”, oder in Zweiwort-Variante:”Die Episteln” ;-)

  6. [...] Zumindest eines dürfte mit dieser Longlist obsolet sein: Der lieben Kollegin Klagen über allzu simple Zweiworttitel. [...]

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Kommentare

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  • Ladyschaft zu Mann, bist du ‘ne Wurst - Und das ganze auch noch für Wiesenhof. Ausgerechnet. Bist Du 'ne würdelose Peinlichkeit!
  • AbidiText zu Mann, bist du ‘ne Wurst - Vielleicht daher das drohende "Ich bin ja jetzt auch unter die Griller gegangen" am Anfang. Erschien mir erst als ein...
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  • AbidiText zu Kalorien sind ein Arschloch - Danke für das Kompliment und den Link. Frau Dokter hat völlig recht! Sag ich jetzt mal und nippe dann an...
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