5 Interviewfragen von und an Lena

Seit einer Woche sitze ich zur Abwechslung einmal nicht alleine in meinem Homeoffice, sondern zusammen mit Lena Germann, 14 Jahre, Schulpraktikantin und Nachwuchsautorin. Sie ist gerade dabei, einen Plot zu entwickeln und ein Exposé zu schreiben. Zwischendurch haben wir uns gegenseitig jeweils fünf Interviewfragen gestellt – und beantwortet.

Lena fragt, Heike antwortet

Wie kamen Sie an Ihre Agentin? Wurde Ihnen empfohlen, mit einer zusammenzuarbeiten?

Dass es schwierig ist, als unbekannte Autorin auf direktem Wege einen Verlag zu finden, ist ja bekannt. Inzwischen weiß ich auch, dass die Lektoren in den Verlagen gar keine Zeit haben, unverlangt eingesandte Manuskripte zu lesen, obwohl sie immer wieder auf der Suche nach interessanten Buchideen sind. Als ich erfuhr, was die Aufgabe der Literaturagenturen ist, nämlich Projekte ihrer Autoren an Verlage zu vermitteln, war mir sofort klar, dass das der ideale Weg für mich ist. Zumal ich als Newcomerin gar keine Ahnung vom Buchmarkt hatte: Welche Manuskripte passen zu welchen Verlagen, wer ist dort Ansprechpartner, wann erreicht man diese Ansprechpartner am besten, worauf muss man bei Verträgen achten etc. Das alles übernimmt die Agentur – und ich kann mich aufs Schreiben konzentrieren.
Meine Agentur Scriptzz habe ich übrigens auf dieser Liste im Internet gefunden: http://www.uschtrin.de/litag.html

Könnten Sie alleine von dem Einkommen als Autorin leben?

Wenn man nicht sofort einen Bestseller schreibt, können Autoren erst einmal nicht von dem leben, was ihre Bücher einbringen. Das heißt, man braucht daneben noch einen sogenannten „Brotberuf“. Bei mir ist das die Werbetexterei. Ich bin freiberufliche Texterin, und diesen Job kann ich prima mit der Schriftstellerei kombinieren. Aber wer weiß, vielleicht verkaufen sich meine Bücher ja bald wie warme Semmeln?

Was sehen Sie für Vorteile, was für Nachteile am Beruf der Autorin?

Nachteile? Hm. Wenn man sehr sicherheitsbewusst ist und Wert darauf legt, dass am Ersten eines jeden Monats ein festes Einkommen aufs Konto gebucht wird, dann sollte man vielleicht lieber nicht Autorin werden. Aber das gilt ja für alle Selbstständigen. Auch bei meiner Tätigkeit als freiberufliche Werbetexterin gibt es diese gewisse Unsicherheit, was Auslastung und Einkommen betrifft. Dafür hat man sehr viel Freiheit und auch die Chance, selbst seines Glückes Schmied zu sein. Im Grunde ist Autorin mein Traumberuf, daher sehe ich selbst vor allem die Vorteile. Ich kann das tun, was ich am besten kann und was mir am meisten Freude bereitet. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen ihren Job hassen, mit Bauchweh jeden Morgen hingehen und nur dem Urlaub entgegenfiebern, ist das wirklich purer Luxus!

Finden Sie, dass es zu viele Vorgaben gibt, die man als Autorin befolgen muss? Würden Sie gerne kreativer und mit mehr Freiheit arbeiten?

Das empfinde ich überhaupt nicht als Einschränkung. Meist kann ich meine eigenen Ideen uneingeschränkt verwirklichen. Ab und zu gibt es zwar auch inhaltliche Anregungen von den Verlagen, die ich dann aber als wertvoll und bereichernd empfinde. Sie machen mich deswegen nicht unkreativer.
Verlage sehen ein Buch vor allem als Produkt, das sich gut verkaufen soll. Vom Buchmarkt haben sie definitiv mehr Ahnung als ich. Aber ich habe ja das gleiche Interesse – ich will schließlich schreiben, um gelesen zu werden!

Wenn Sie die Zeit zurück drehen könnten und nochmal die Entscheidung treffen könnten, was Sie studieren und welche berufliche Richtung Sie einschlagen, würden Sie nochmal den Beruf der Autorin einschlagen?

Wenn ich noch einmal mit denselben Talenten geboren würde, bliebe mir gar nichts anderes übrig, als den gleichen Weg wieder einzuschlagen. Ärztin könnte ich nicht werden, denn wenn ich Blut sehe, werde ich ohnmächtig. Ich wäre auch eine miserable Atomphysikerin, und als Architektin würde mir mein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen einen Strich durch die Rechnung machen. Nein, es ist schon gut so, wie es ist. Ich bin sehr gerne Autorin!

Heike fragt, Lena antwortet

Bevor dein Praktikum bei mir angefangen hat, war „Autorin“ dein Traumberuf. Hat sich daran inzwischen etwas geändert? Wenn ja, warum? Und wenn nein, warum nicht?

Daran hat sich nichts geändert. Ich kannte die Grund Idee ja schon vor meinem Praktikum, und auch wenn ich einiges Neues erfahren und gemerkt habe, dass es vielleicht doch nicht so einfach ist, wie ich mir das immer vorgestellt habe, dreht es sich immer noch um den einen Punkt. Auch wenn ich mir „Autorin“ zu sein etwas anders vorgestellt habe, geht es immer noch um das Schreiben und kreative Ausbauen verschiedenster Ideen. Selbst wenn man ein paar Vorgaben und Einschränkungen hat, kann man durch seine Bücher immer noch seinen eigenen Stil, vielleicht auch in bestimmten Fällen seine Meinung zu etwas ausdrücken.

Was muss man als Autorin eigentlich können – einmal abgesehen vom Schreiben? Oder anders gesagt: Was, denkst du, sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die man mitbringen sollte, um eine gute Autorin zu sein?

• Fantasie und Kreativität
• Geduld
• Sprachgewandtheit

Wenn du an das Buchprojekt denkst, das du gerade selbst in Arbeit hast: Was findest du daran am schwierigsten?

Ich empfinde es am schwersten, so viel Geduld aufzubringen, um alle Vorbereitungsschritte durchzugehen und immer wieder zu verbessern, weil immer wieder neue Ideen kommen, und das bisher Geschriebene anzupassen, anstatt gleich loszulegen.

Welches Buch hättest du selbst gerne geschrieben? Ja, Harry Potter, wegen der Verkaufszahlen – das hätten alle Autoren gerne geschrieben. Aber welches abgesehen davon?

Da gibt es einige Bücher, auf den Anhieb fällt mir da nicht mal eins ein. Vielleicht auch „Die Tribute von Panem“, nicht nur weil es verfilmt wurde, sondern weil es schon lange vorher mein Lieblingsbuch war.

Damit du dich gleich schon mal an die typischen Standardfragen gewöhnst, die man Autoren stellt: Woher nimmst du deine Ideen?

Da weiß ich ehrlich gesagt keine genaue Antwort drauf. Manchmal gehe ich mit meinem Hund spazieren, laufe durch die Stadt, gucke etwas im Fernsehen oder chatte vielleicht sogar mit Freunden. Eigentlich so ziemlich überall begegnen mir irgendwelche Dinge, meist Kleinigkeiten, die mir auffallen und zu einer Idee werden. Aus dem ganz alltäglichen Leben. Manchmal sitzen mein Vater und ich auch auf dem Sofa und entwickeln zusammen Ideen.

3 Kommentare

  1. Kora sagt:

    Sehr motiviert und motivierend, ehrlich und spritzig. Klingt nach einem guten Praktikumsteam.

    Beste Grüße, Kora

  2. […] Meine Praktikantin Lena und ich haben uns gegenseitig interviewt. Nachzulesen auf dem AbidiBlog. […]

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