Alles Mumpitz!

Zeit für einen neuen Blog-Eintrag. Aber worüber? Ist nicht alles gesagt, was zu sagen ist über die Hitze, die Präsidentenwahl, den Werbewert von Jogis Jungs oder Maradonas pathetisches Geschwafel?

Nein, da überlasse ich das heutige Thema lieber dem Zufall. Nicht jedoch, ohne Biggis Pommeswelt beim Viertelfinale der Blog-WM alles Gute zu wünschen! Hier dürfen übrigens alle abstimmen, nicht nur die Mitglieder der Bundesversammlung …

Und nun nehme ich das nächstliegende Buch zur Hand (Duden: Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen), schlage es auf, lese meinen Zufallsfund und lerne:

Ohne Komma schreibt man:
Eingemummelt saß das Kind auf der Terrasse.

Mit Komma KANN man schreiben:
Ganz in Decken eingemummelt[,] saß das Kind auf der Terrasse.

Mit Komma MUSS man schreiben:
Das Kind saß auf der Terrasse, ganz in Decken eingemummelt.

Aha. So ist das also. Aber gilt diese Regel auch im Hochsommer? Und wer in aller Welt setzt ein Kind bei Temperaturen, die ein Einmummeln notwendig machen, auf eine Terrasse? Ja, und ist “einmummeln” überhaupt ein korrektes deutsches Wort?

Ich blättere im Rechtschreibduden und finde – im Gegensatz zum wunderschönen Winterwetter-Adjektiv “gefriergezuckert” – das Verb “einmummeln” mit dem Zusatz, dass das umgangssprachlich sei.

Neugierig greife ich jetzt zum Herkunftswörterbuch und erfahre, dass “mummen” veraltet für “sich in eine Maske einhüllen” ist und heute durch “einmummen” ersetzt wird. Verwandt ist “einmummeln” also auch mit dem Hessischen Mombotz (Schreckgestalt), mit “Mummelputz” (Vogelscheuche), Mummenschanz (Lustbarkeit vermummter Gestalten, Maskenball) und dem seit dem 19. Jahrhundert gebräuchlichen “Mumpitz” (Unsinn, Schwindel). Neuere Ableitungen wie Vermummungsverbot würden wohl den etymologischen Rahmen des Duden-Bandes sprengen …

Mumpitz gefällt mir sehr. Ich nehme mir vor, dieses kraftvolle Wort häufiger zu gebrauchen. Nicht nur auf der Terrasse – und nicht nur, wenn es kühl genug ist zum Einmummeln …

10 Kommentare

  1. rebhuhn sagt:

    ich benutze mumpitz ständig!! :) sehr schön, so ein zufalls-artikel. mach’ ich vielleicht auch mal.

  2. Petra sagt:

    Heike! :)))
    Also Biggi schafft es sowieso, das ist schon mal klar. Mit dem TT-Bund im Rücken … Da kann die Konkurrenz noch so ‘nen Mumpitz machen :)

    Tja, und die lieben Kommata, puuh. Ich bin just mit 448 Seiten Druckfahnen durch. Mischung aus Duden- und verlagseigener Schreibung, die sich “an der pragmatischen Linie orientiert, die mittlerweile von den Leitmedien SZ, FAZ und Spiegel verfolgt wird.”

    Doch, das ist echt große Klasse. Ein Verwirrspiel ohnegleichen. Oder ohne Gleichen? Ach nein, ohne gleichen! Wenn mir in den nächsten Wochen noch irgendjemand mit Partizipialgruppen, resultativen Prädikativen, idiomatisierten Gesamtbedeutungen, einfach unflektierten Adjektiven und dergleichen Mombotzen kommmt, mummle ich mich auf der Terrasse ein, auf dass ich zur mumpitz’schen – sorry, mumpitzschen – Mumie vertrockne, wie mein Hirn dies ohnehin schon macht zur Zeit, äh, zurzeit …

    • admin sagt:

      Oh, Petra, das klingt ja irre! Um im Wortfeld zu bleiben – da hast du Durchhaltevermögen und Mumm bewiesen. Zur Erholung solltest du jetzt Urlaub am Mummelsee machen. Idealerweise mit eigenem Mundschenk – das mit dem Zur-Mumie-Vertrocknen darf nicht pasieren :-)

  3. Biggi sagt:

    Danke für deinen Hinweis aufs Viertelfinale!
    und wie immer: Klasse Posting! :-)

  4. Edith Nebel sagt:

    “Kokolores” war eins der Lieblingswörter meines ehemaligen Graphiker-Partners. Er ist jetzt seit Jahren schon in Ruhestand und wäre sicher erstaunt, wie oft wir ihn hier noch zitieren: “Jetzt hätte der H. wieder gesagt, ‘das ist doch alles Kokolores’!”

    Und weil das Posting hier mit den Kommaregeln angefangen hat: Die hält mein Vater, 84, von jeher für Mumpitz. Er schreibt seine Texte kommafrei und geht, wenn er fertig ist, noch mal drüber und setzt so ca. alle 7 cm eines. “Sie kosten nix und es gibt genügend davon”, meint er. Und seine Freunde und Verwandten, denen er schreibt, verstünden von der Zeichensetzung auch nicht mehr als er.

    Texte mit offiziellem Charakter muss ich vorab prüfen. Perfekt bin ich in der Zeichensetzung auch nicht. Im Job wäre ich verratzt ohne meine Korrektorin. Aber ein wenig besser als mein Ahnherr beherrsche ich die Sache zum Glück schon.

    • admin sagt:

      Ein Komma alle sieben Zentimeter – wie einfach könnte das Leben doch sein, wenn man alles so entkomplizieren könnte!

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Kommentare

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