Und täglich grüßt der Rollmops

Was haben „Schnecke”, „Hündchen”, Wurm” und „kleine Ente” gemeinsam? Nun, sie bezeichnen alle dasselbe. In ihrer jeweiligen Übersetzung. So wie der tschechische bzw. slowakische „Rollmops” (zavináč). Und auch wenn dieser nicht täglich auf dem Speiseplan steht – auf den Tisch kommt er dennoch ständig. Auf den Schreibtisch, genauer gesagt …

Gemeint ist natürlich … das @-Zeichen, das 1971 für elektronische Post definiert wurde und ohne das keine E-Mail-Adresse funktioniert!

Man lese und staune, wie fantasiereich sein Name in den unterschiedlichen Sprachen übersetzt wird – von „Elefantenohr”, „Affenschwanz” oder „Strudel”:

Animalische Wortwahl:

Im Zeichen des Affen

Besonders häufig wird unser nächster tierischer Verwandter bemüht: Als „Klammeraffe”, „Affenschaukel”, „Affenohr” und „Affenschwanz” kennt man das @-Zeichen in deutschen Büros. Letztgenannte Version entspricht auch der niederländischen Bezeichnung „apenstaartje”. Auch in Polen sagt man „małpka” (Äffchen) und in Bulgarien „маймунско a” (Affen-A). Während die Russen das „Hündchen” bemühen (sobačka), die Ungarn den „Wurm” (kukac) und die Griechen die „kleine Ente” (papaki), sagt der Italiener klangvoll „chiocciola” (Schnecke). Unsere nordischen Nachbarn wählen tierische Umschreibungen: In Island heißt es „fílseyra” (Elefantenohr), in Dänemark und Schweden „snabel-a” (Rüssel-A).

Feinsinnige Metaphern, kringelige Umschreibungen oder staubtrockene Vokabel?

Das schönste Sprachbild kennt man übrigens im Türkischen: Da heißt das @-Zeichen ganz romantisch „gul” – Rose!
Andernorts geht es deutlich bodenständiger zu: „A bildua” (A gerollt) sagt der Baske, „Ohrwaschel” der Österreicher, während der Norweger „krøllalfa” (Kringel-Alpha) verwendet und man in Bosnien-Herzegowina die herzallerliebste Bezeichnung „ludo A” (irres A) gebraucht. Auch hier folgt die Sprache der Form des Zeichens.
Ganz sachlich spricht man dagegen in Litauen: Hier trennt ein simples „Eta” den personenbezogenen Benutzernamen vom maschinenbezogenen Domainnamen. In Spanien und Portugal entspricht „arroba” – der Name des @-Zeichens – der Gewichtseinheit für einen Viertelzentner. Natürlich aus historischen Gründen. Und in Finnland sagte man anfangs „taksamerkki” (Gebühren-Zeichen) oder „yksikköhinnan merkki” (Stückzahl-Zeichen). Doch das hat der Finne sich – wahrscheinlich in der Sauna – noch mal durch den Kopf gehen lassen, und inzwischen bevorzugt er das technischere „ät-merkki” oder das bildhaftere „kissanhäntä” – den Katzenschwanz. Na also!

Wer hat’s erfunden?

Dass das @-Zeichen erst in Zusammenhang mit der E-Mail entstand, stimmt übrigens nicht. Sonst wäre es wohl kaum auf den Tastaturen der ersten Heimcomputer aus den 1980er Jahre zu finden gewesen. Und schon damals war das Symbol uralt: Es taucht bereits in lateinischen Handschriften aus dem Mittelalter auf – möglicherweise als Abkürzung für „ad” (an, zu). In der frühen Neuzeit machte der Klammeraffe Karriere als Gewichtsmaß oder im Handelswesen. Heute steht es symbolisch für das Internetzeitalter – und dafür, dass in unserer hochtechnisierten Welt immerhin Platz für fantasievolle Namen bleibt!
@ alle, die weitere Bezeichnungen, Übersetzungen oder Verwendungen des Klammeraffen kennen: verratet ihr sie mir? Ich bin gespannt!

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8 Kommentare

  1. Also, bei Deiner umfangreichen AUfzählung ist das schwer…. einige kannte ich, wieder andere nicht und die Bezeichnungen, die ich kenne, kennst Du auch schon ;-)

    So wird das nischt mit dem dazulernen. Bist eben nur schwer zu toppen ;-)

    (und jetzt gehe ich mal, bevor hier die Schleimspur kniehoch wird :mrgreen: )

  2. rebhuhn sagt:

    danke für diesen tollen artikel – da wirst du gleich mal bei mir verlinkt, im nächsten post! besonders die tatsache mit dem @ ~= ad gefällt mir :).

  3. Michael sagt:

    Sehr interessante Info´s zum @-Zeichen, das war mir so noch gar nicht bekannt. Danke und VG
    Michael

    • admin sagt:

      Na das freut mich aber :-)
      Interessant finde ich auch, dass die Verwendung des @-Zeichens beispielsweise in Onlineforen etc. eine neue Bedeutung hat:
      @Michael: verwendest du das Zeichen auch in diesem Zusammenhang?

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